POCKETPUNK

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    - Gedankomat -

    Montag 7.6.21 - Faxen-Anhalt

    Landtagspfahl in Faxen-Anhalt. Gestern. Etwa eine Million Menschen hat gewählt (bei etwa 2,2 Mio Einwohner*innen) und die AFD hat um die 220000 Stimmen bekommen. Jede*r Zehnte fand das also ne gute Idee, so eine Kartoffel wie Oliver Kirchner, der ja bekanntermaßen dem völkisch-nationalen Flügel zuzuordnen ist, aktiv zu unterstützen. Meiner Meinung nach ist er genauso ein Faschist wie Höcke. Wenn der wenigstens Charisma hätte oder halbwegs "okay" rüberkäme, dass du das Gefühl hättest "...och, mit dem würde ich zur Not auch mal'n Bier trinken!", verstünde ich die Wähler*innen vielleicht ein kleines bisschen. Aber der Typ is' ja n absoluter Unsympath. Willste beim Grillen oder im Sportverein nicht dabei haben. Attitüde, Sprache und Auftreten sind dumpf und aggro. Der ist noch nicht einmal clever genug, seine Menschenverachtung irgendwie im Zaum zu halten oder zu verstecken. Okay, aber genau das finden viele offenbar kuul. Die Leute wählen die AFD also nicht TROTZ solcher Panneköppe sondern offenbar GENAU DESWEGEN.

    Die CDU bekam etwa 400000 Stimmen. Etwa 720000 Menschen haben sich entschieden, nicht zu wählen. Ich nehme das ernst. Meine These: Real existierende Demokratien in einem kapitalistischen Kontext geben vielen Menschen das Gefühl, dass sie marginal bis gar nicht mitgestalten können. Und es ist ja auch nicht ganz falsch. In fast allen Bereichen gesellschaftlicher Themen bestimmen wirtschaftliche und kommerzielle Interessen das Geschehen. Wohnraum IST Ware. Arbeit IST Ausbeutung. Rüstung und Waffen SIND integraler Bestandteil von Politik und Wirtschaft. Atomkraftwerke werden nicht deshalb abgeschaltet, weil wir jahrzehntelang dagegen gekämpft haben und weil es scheißgefährlich ist, sondern weil mit erneuerbaren Energien in Zukunft mehr Geld verdient werden kann. Hauptproblem: Kapitalismus fordert und fördert oft diskriminierende und menschenverachtende Strukturen global.

    Kleine abschließende Bitte an Journalist*innen: Fragt bitte keine AFD-Vertreter*innen mehr, warum sie sich nicht stärker nach rechts abgrenzen. Rechts von denen ist nur noch die Wand, wie soll das gehen? Fast 60% haben übrigens auch rechtskonservativ bis rechtsextrem gewählt.

    Noch'n kleines Spaßbeispiel am Schluss. Wenn alle Wahlberechtigten gewählt hätten (!), wären diese 720000 Nichtwähler*innen stärkste Kraft mit 40%, die CDU käme auf etwa 25%, die AFD auf 10% und der Rest läge jeweils so bei 5% oder nochmal drunter. Auch ne Perspektive.

    Dienstag 18.5.2021 - against me

    In Anbetracht der weltpolitischen Lage kommen mir die vielen kleinen regionalen Polit-Diskurse oft vor, als wären sie nicht relevant genug, um sie fortzuführen. Wie lächerlich erscheint ein gewaltsamer Polizeieinsatz in Berlin am 1.Mai gegen das, was sich gerade wieder im Nahen Osten abspielt? Wie abgehoben wirkt es, sich in Genderdebatten einzubringen, obwohl Geflüchtete weltweit ums Überleben kämpfen?! Andererseits bin ich auch müde, meinen Frust und meine Wut immer und immer wieder herauszuposaunen zu globalen Geschehnissen, an denen ich meistens eh nix ändern und die ich darüberhinaus noch nicht einmal umfassend bewerten und einschätzen kann.

    Habe erneut einen Beitrag zum Thema Gender verfasst, weil mich das zur Zeit umtreibt. Motivation ist der Wunsch danach, die verhärteten Debatten in Zukunft wieder konstrukter führen zu können.

    Vielen wird es schon aufgefallen sein, dass die Attribute alt, weiß, cis und männlich auch auf mich zutreffen. Das ist so. Und es hat für mich immer bedeutet, dass ich nicht von Rassismus und Sexismus betroffen bin. Meine Gender-Identität war nie Anlass für andere, mich zu diskriminieren. Das „alt“ kam dann erst im Laufe meines Lebens dazu, ich weiß nicht mehr genau, wann. Madsen hat einen Song rausgebracht, der „alte weiße Männer“ heißt. Ich habe sie gefragt, was ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen alten weißen Männern und mittelalten weißen Männern (die sie ja selbst sind) ist und keine Antwort bekommen. Ich kann auch nicht erkennen, was ganz junge weiße Männer so grundsätzlich besser machen. However. Es ist ein großes Privileg, nicht wegen Hautfarbe oder Geschlechtszugehörigkeit angegriffen zu werden, sondern nur für das eigene Handeln und für die Worte, die du sprichst oder schreibst. Je älter ich werde, desto bewusster wird mir das. Da ich mich seit über 40 Jahren in einem radikalen linken emanzipatorischen Umfeld bewege, haben sich meine Kämpfe dennoch immer gegen Diskriminierung jeglicher Art bewegt. Ich habe, wie viele andere auch, meine Privilegien aber nicht genutzt, um Karriere zu machen oder Macht zu erlangen, sondern mich dem z.B. dem Punk, dem Antifaschismus gewidmet und ausschließlich prekär gearbeitet. Und jetzt sitze ich mit Trump, Sarrazin und Maaßen in der gleichen Schublade und frage mich, wo genau unsere Gemeinsamkeiten liegen. Irgendwas ist schief gelaufen. Fehlt in diesem Diskurs möglicherweise manchmal der Klassenbegriff? Bin ja auch noch Taxifahrer ohne Abitur. Der Gender-Diskurs ist oft geprägt von einer akademisierten Sprache, die weder ich, noch meine Fahrgäste oder die Leute hier im Kiez sofort verstehen können. Die einfachen Menschen außerhalb der Szene-Blase sind aber die, mit denen ich die meisten meiner Gespräche gegen Sexismus und Rassismus führe. Mit all meinen Privilegien, mit aller Vorsicht! Könn‘ wa bitte trotzdem zusammen weitergehen?! Wär mir ein Fest!

    Dienstag 27.4.2021

    Bandcamp is' wieder fein!

    Liebe Leute! Nachdem sich irgendwelche Internetpirat*innen vor ein paar Tagen an meiner Bandcampseite zu schaffen gemacht haben, ist nun wieder alles hübsch, so wie es soll. Ihr könnt also bedenkenlos wieder Musik hören, downloaden und wenn ihr mögt, auch Spenden dafür raustun. Kleiner Hinweis: Künstler*innen erhalten auf Bandcamp rund 75% von der Kohle, die ihr spendet. Wenn ihr gerne 100% rüberschicken wollt, könnt ihr in meinem Fall umsonst downloaden und unabhängig davon was auf's paypal-Konto tun.

    newyok@gmx.de

    Mittwoch - 21.4.2021

    Bin ick Punkergeheimdienst

    Bevor ihr meine kleine Abhandlung über einen Toxoplasma-Song lest, möchte ich euch noch schnell auf die Kundgebung am Samstag hinweisen. Mumia Abu Jamal wird 67 Jahre alt. Leider ist er nach fast 40 Jahren Haft mittlerweile schwer krank. Kein schöner Anlass also, aber Solidarität ist wichtig und sie wird an diesem Tag weltweit passieren. Ich werde neben anderen Künstler*innen auch ein paar Songs zum Besten geben. Genaueres findet ihr unter "Termine". Dann noch schnell der Hinweis, dass ich kürzlich ein sehr langes Review zu der großartigen Band 100 KILO HERZ geschrieben habe. Könnt ihr

  • hier
  • nachlesen oder auf Instagram. Aber auf jeden Fall auch mal in die Musik reinhören dann!

    Jau, und dann jetzt eine kleine negative Kritik an einer Band, die bestimmt viele mögen. Eigentlich ist das nix Großes, denn die Band veröffentlicht diesen Song seit 40 Jahren ja selbst in Form von Tonträgern und Live-Auftritten. Das macht es leider nicht besser und ich staune ein bisschen, dass bisher kaum wer auf die Idee kam, das inhaltlich mal als ein NO GO zu benennen. Viel "Spaß" beim Weiterlesen unter dem Bild.

    Songs sagen immer was über die Künstler*innen aus, die sie schreiben, spielen und singen, über das Umfeld, das diese Songs hört, kauft und mitsingt, über die Läden, in denen performt wird und über die Mailorder, die die entsprechenden Tonträger vertreiben. Ich fürchte, ich muss in diesem Fall der punkaffinen Szene ein großes kollektives Wegschauen oder im besseren Fall ein banales Nichtwissen bescheinigen. Ich weiß aber mittlerweile auch, dass Leute sich aus Angst vor Angriffen oder anderweitig befürchteten Konsequenzen einfach mal nicht trauen, das zu thematisieren. Das ist ein wirklich schwerwiegendes strukturelles Problem. Ich selbst kannte den Song bis vor Kurzem nicht, obwohl mir die Band seit den 1990ern vertraut ist und ich sie auch schon live sah.

    TRIGGERWARNUNG! Noch ein paar Zeilen, dann kommt der Text. Er ist gewaltvoll, homophob und sexistisch.

    Toxoplasma spricht seit 40 Jahren vielen Punx aus der Seele. Es gibt Songs von ihnen, die ich gefeiert habe und es liegt mir fern, die Band nun auf diesen einen beschissenen Song zu reduzieren. Dennoch ist und bleibt es scheiße und verstörend, weil es eine Haltung ausdrückt. Und nein, ich bin nicht die Szene-Polizei! Ich arbeite für den Punker-Geheimdienst! Hier der Songtext:

    "Lass mich in Ruhe lass mich allein, ich will nicht mehr dein Arschlecker sein! Du glaubst, du wärst die schärfste Frau, ich piss dir in die Fresse du alte Sau! Du glaubst, du hast mich total in der Hand, hau ab oder ich hau dich mit dem Kopf durch die Wand! Ich will nicht mehr dein Arschlecker sein! Dein Arsch ist fett, dein Blick so cool, doch bevor ich Dich ficke werd ich lieber schwul."

    Der Song stammt aus dem Anfang der 1980er-Jahre. Toxoplasma hat ihn gegenwärtig immer noch im Programm. Was hier passiert, ist die Androhung von (häuslicher) Gewalt gegen Frauen* bzw. FLINT*-Personen. Und ich möchte nicht, dass es dafür im Punk oder sonst wo auch nur einen Millimeter Platz gibt. Punkt.

    Es gibt genug Typen in der Szene, die so einen Song sicher als Legitimation für ihr eigenes Verhalten sehen, gerade weil sie die Band geil finden. Auf Nachfrage bei Toxoplasma bekam ich die Antwort, dass das Stück nicht auf Druck von außen aus dem Set gekickt wird und dass der Text nicht geschlechterspezifisch gemeint sei, was n Witz ist, weil eindeutig über eine Frau gesungen wird.

    Sexistischer Kackscheiß wohnt auch in mir und im Punk schon lange. Er ist männlich geprägt. Nur Reflexion und Austausch können dafür sorgen, nicht selbst zum handelnden Arschloch zu werden. Jeden Tag neu. Move on! Schweigen ist keine Option.

    Dienstag - 23.3.2021

    Behelfsausfahrt

    Damned! Jetzt jähren sich schon die Termine der ausgefallenen Veranstaltung*innen. Heute vor einem Jahr hätte ich'ne Lesung in Cottbus gehabt, gestern Leipzig und morgen Weimar. Vor 2 Tagen hätte ich erstmalig die großartigen BAD COP BAD COP im Cassiopeia live gesehen. Auch der Verschiebetermin im Oktober fiel aus, dann habe ich die Karten zurückgegeben. Und in der Zukunft mag ich nix mehr planen,...NO FUTURE wie Punk Ende der 70er, nur dass die Leute da die Konzerthallen reihenweise zerlegt haben und heute sind diese einfach nur leer...die Konzerthallen und die Leute.

    Ich frage mich, ob diese rechten Blitzbirnen mit ihren großen Wirsinddasvolkmerkelmusswegesgibtkeinvirus-Aufläufen demnächst mal die eine oder andere Innenstadt demolieren werden. So nach dem Motto: Endlich mal wieder rein in die Läden, nicht durch die Tür, sondern durch die Frontscheibe. Shoppen mal anders. Und dann die Gunst der Stunde nutzen und gleich noch ein paar missliebige Menschen verkloppen und ein paar linksgrünversiffte Strukturen angreifen. Hellau, hau rein Herr Schützenverein! Bombenstimmung von AFD bis dritter Weg. Die Polizei würde vermutlich daneben stehen und mit den Schultern zucken, so wie vor ein paar Tagen in Kassel. Da könnten sie leider nix machen...wie schon bei den antiemanzipatorischen Demonstrationen zuvor, wo die Leute auf Mund-Nasen-Schutz verzichtet und ne Menge egozentrischen Unsinn verbreitet haben. Die Polizei hat immer alle Hände voll damit zu tun, antifaschistische Gegendemonstrant*innen zu verprügeln. Ordnung muss sein! Wiederhole ich mich eigentlich?! Wahrscheinlich. Die gesellschaftlichen Mechanismen wiederholen sich aber auch. Unzufriedenheit kehrt sich hier nicht in Solidarität, sondern in Hass und Dumpfbackentum. Wie tief müssen die Privilegien von vielen verinnerlicht sein, dass die Menschen sie für selbstverständlich halten? Dass sie ein Anrecht darauf hätten?! Keine neuen Schuhe für Faschist*innen, kein Wohnraum, keinen Meter auf der Straße, kein Freibad! Kein Fahrrad und keinen Internetzugang. Fertig! Und keine Hosen! Und keine Genehmigung für gar nix! Und keinen Zahnersatz! Und auch keine Schmerztabletten oder Süssigkeiten! Nix da Freundchen! Lässt sich das Wort "Freundchen" eigentlich gendern? Nee, nä?! Okay, ich springe jetzt aus'm Hochpaterre in einen Brombeerbusch und werde dabei laut ANARCHIE IHR ARSCHLÖCHER rufen! Danach gehe ich schweigend auf einer Mittelinsel in Steglitz spazieren. Immer auf und ab bis das Ordnungsamt kommt. Und dann gehe ich mit denen einen saufen und erkläre ihnen, wie sie wirklich mal was in Ordnung bringen könnten. Mit Spucke und Fantasie!

    Sonntag - 7.3.2021

    Pünktlich zum 8.März

    Wir konnten es nicht abwarten und sind deshalb einen Tag zu früh. Wir haben den internationalen Frauenkampftag als Datum für die Veröffentlichung unseres Videos gewählt, weil es thematisch und inhaltlich so gut passt. Mit vielen Kompliz*innen entstand ein energiegeladenes Video von überwiegend FLINTA* (Frauen (das meint meist spezifisch cis hetero Frauen), Lesben, Inter Menschen, Nichtbinäre Menschen, Trans Menschen und Agender Menschen). In Zeiten von realen und strukturellen Diskriminierungen auf allen Ebenen freuen wir uns über die Weiterverbreitung und kreativen Ausgestaltung der Message!

    Montag 1.3.2021

    Wehrmacht denn sowas?

    Endlich wurde der rechtsextreme Einzeltäter, der sich in den emanzipierten und weltoffenen Strukturen der deutschen Bundeswehr jahrelang versteckte, vorläufig festgenommen. Tapfere Spezialkräfte der hessischen Polizei (die ja kürzlich vermutlich völlig zu Unrecht verdächtigt wurde, Mails mit Todesdrohungen an linke Politiker*innen geschickt zu haben) nahmen den Kameraden zu einem ernsten Gespräch mit auf die Wache. Nach ersten Erkenntnissen wurden die beschlagnahmten Waffen gemeinsam begutachtet und dann zur Aufbewahrung an vertrauenswürdige suspendierte Kolleg*innen übergeben. Übergeben hat sich angeblich auch eine Sprecherin der Initiative "Bürger*innen beobachten die Polizei". Offenbar war ein verdorbenes Frühstücksei der Grund. Es ist gut zu sehen, dass in Deutschland die Zusammenarbeit der Vertuschungsbehörden und den Tatbestands-Dienststellen bestens funktioniert. Die Demokratie muss wehrmacht bleiben...

    Samstag - 20.2.2021

    Nutze die Zeit!

    Francoise Cactus ist tot. Ich kannte sie nicht, aber es berührt mich. Sie war anderthalb Jahre jünger, ist mit Stereo Total bekannt geworden. Viele kennen den Track "Liebe zu dritt". Das war wohl ihr größter Hit. Habe die Band nur einmal live gesehen und zwar auf dem Klangtherapie-Festival 2019, wo ich selbst auf einer Nebenbühne auftrat. Stereo Total war die einzige Band, die ich vom Namen her kannte. Ansonsten war ich da total lost. Am 5.8.2019 schrieb ich hier im Blog:

    "Ich schaue mir STEREO TOTAL schon beim Aufbauen an. Bin beruhigt, dass sie den gleichen angestrengten Eindruck machen, wie ich selbst, wenn ich/wir die Bühne vorbereite/n. Die beiden sympathischen Menschen, Francoise und Brezel (12.9.2019 Festsaal Kreuzberg) sind beide ein kleines bisschen jünger als ich und bieten eine recht unspektakuläre Show. Der Sound fällt gegen das übliche Gewommer des Festivals etwas ab, aber die Stimmung schwappt in einzelne Ecken des Publikums durchaus über. Erstaunlich: Viel mitgesungen wird nicht. Auch nicht bei ihren Hits."

    Ich war damals erstaunt, dass die beiden nicht mehr gefeiert wurden, sondern sich ganz schön abmühten. Weiterhin wunderte mich, dass sie so gar nicht den Eindruck von "Popstars" machten, sondern eher ziemlich "normal" daherkamen und auf mich einen eher unbeholfenen Eindruck auf der Bühne machten. Symphatisch unprofessionell und musikalisch eher Mittelmaß. Gerade das gefiel mir, weil ich damals in dieser speziellen Situation Kompliz*innen in ihnen sah. Es gab einen Moment nach ihrem Auftritt, wo sie im Backstage rumliefen, dann stehenblieben und sich offenbar kurz besprachen, was sie noch machen würden. Ich hatte den Impuls, hinzugehen, sie anzuquatschen und im besten Fall noch ein paar Bier mit ihnen zu trinken, aber ich tat es nicht. Ich wollte nicht stören, sie nicht nerven. Schade, dass ich es nicht gemacht habe. Gerne würde ich mich jetzt an so einen gemeinsamen Moment mit Brezel und Francoise erinnern. Hier eine kleine Erinnerung in Form eines wenig geklickten Songs. Er wirkt verloren und ich finde, das passt.

    Donnerstag - 11.2.2021

    Schnee von gestern

    Morgen jährt sich der Todestag von Immanuel Kant zum 217ten Mal. Was ich alles weiß! Uiuiui! Und wisst ihr, was heute ist?! Heute vor exakt 20 Jahren fand das erste Treffen von Revolte Springen statt. Ein zusammengewürfelter Haufen von etwa 20 Leuten, die sich in einem Tagungshaus im Wendland trafen und von denen sich dann eine Crew aus 10 Leuten fand, um den Weg zu gehen. Das war immer ne gute Gang. Da war viel Arbeit und Gruppendynamik. Auch Fluktuation. Und es gab Zuspruch. Je länger wir zusammen waren, desto mehr wurde es. 2015 dann die Auflösung, ich bin schon 3 Jahre vorher raus. Die meisten von uns sind immer noch irgendwie miteinander befreundet, teilweise auch deshalb, weil die Zeit so intensiv und prägend war. Bin froh, dass ich das erlebt habe. War ne geile Zeit.

    Und was ist mit dem angekündigten Schneechaos?! Vor einer Woche hatte ich richtig Schiss, weil die immer davon redeten, dass es wie 1978/1979 werden könnte. Aber das war ja wohl nix. Ey Winter 1978/79 war ich nämlich dabei und das war echt scheiße! Wir waren wie in jedem Jahr damals zwischen Weihnachten und Neujahr Handballspielen in Dänemark. Ich habe das geliebt! Und weil der Busfahrer die Unwetterwarnungen bei der Rückfahrt nicht ernst genommen hat, sind wir irgendwo bei Schleswig in Schlewig Holstein auf der Autobahn eingeschneit. Da ging gar nix mehr und dann sitzt du da mit 50 anderen Jugendlichen und ein paar Betreuer*innen in diesem Scheiß-Bus und kommst nicht weiter. Nach Stunden kamen THW und Bundeswehr, um uns zu retten. Ich landete mit anderen auf der eisigen Ladefläche eines Bundeswehrfahrzeuges und einer der Soldaten hatte eine Flasche Wodka dabei, die er auspackte und die dann die Runde machte. Ziemlich kuule Geste eigentlich, aber das konnte mich später trotzdem nicht dazu bewegen bei dem Verein mitzumachen. Wir landeten für eine Woche in einer Schleswiger Jugendherberge und feierten dort Silvester. Der Schnee stand ohne Scheiß an manchen Stellen ein paar Meter hoch. War auch prägend...anders als bei Revolte Springen, aber auch intensiv. Und was ist heute? Jau, kalt ist es,...aber sonst? Geht doch! Okay, auf einer Autobahn kamen die Leute auch mal über 10 Stunden nicht weiter, aber hey, das war echt nich' so krass wie damals.

    Habe eben mal fix in die Bundestagsdebatte reingeschaut, wo die über den fortgesetzten Lockdown reden. Was mir echt auf den Zünder geht, dass alle Oppositionsparteien so'n Sprech haben, als wäre nicht die Pandemie das Problem, sondern die große Koalition aus SPD/CDU/CSU. Und dieses Geheule, dass Deutschland mal nicht unter den Top-5 beim Impfen ist. Oh menno...Es ist nun mal schwer, den Scheiß zu managen und die Verantwortung für Regelungen zu übernehmen. Ich finde auch nicht geil, dass Milliarden in Kanäle fließen, die den Menschen erstmal nicht direkt helfen, aber das ist Neoliberalismus, das sind die Mechanismen eines Kapatilismus, der noch nie dafür gesorgt hat, dass es allen gut geht und dass alle was vom Kuchen abbekommen. Und das Schlimme an der Debatte ist dann, dass aber alle das System an sich befürworten und den Wohlstand verteidigen wollen...den deutschen Wohstand wohlgemerkt...und die etwas "Fortschrittlicheren" vielleicht auch noch den europäischen Wohlstand...Die armen Länder können eh gucken, wie sie ohne Impfstoff klarkommen...und das sind die meisten. Ich wusste, dass das Jahr scheiße wird, wenn es schon damit anfängt, dass Gerwyn Price die Dart-WM gewinnt. Dieser Testosteron-Bolzen, die Verkörperung des Klischees für unangenehme Männlichkeit. Gibt es in allen Sportdisziplinen, weiß ich. Aber habt ihr euch mal die Frage gestellt, warum der Erfolgsjubel im männlichen Profisport zunehmend aggressiver und mackriger wird? Immer geballte Faust, immer böses böses Gesicht, immer Oberkörperpräsentation wie bei Primaten. Ist mir auch bei der Handball-WM aufgefallen. Da passiert es ganz selten, dass sich mal'n Spieler sichtbar freut über ein Tor oder eine gelungene Aktion. Härte, Effizienz und Verbissenheit sind der Standard. Druck, Kommerz und Vermarktung die üblichen Begleiterscheinungen. Zum Kotzen.

    Ich geh jetzt raus auf'n Balkon und sprech mit meiner Lieblingstaube. Die mit der abstehenden Feder. Die ist mittlerweile so an mich gewöhnt, dass sie nicht mehr wegfliegt, wenn ich das Futter bringe. Blöde gucken tut sie aber immer noch. Und sacht nix...Naja, wird schon werden. Ich bin optimistisch!

    Samstag - 23.1.2021

    Mit was wurde geschossen,

    wenn Worthülsen zurückbleiben?

    Muss echt mal danke sagen! Ich freu mich, dass ihr das neue Album hört, downloaded, kommentiert und teilweise sogar bezahlt, obwohl der Download for free ist. Manche von euch gehen damit um, als würden sie bei mir ne CD oder ne LP kaufen. Das fühlt sich für mich gut an. Hatte die Songs ohne große Erwartungen rausgekloppt und merke jetzt über die eine oder andere Rückmeldung, dass da wohl was passt.

    Aber hey, ich würde auch gerne wissen, was NICHT passt. Und zwar nicht nur bezogen auf das letzte Album, sondern allgemein. Bei welchen Textzeilen von mir verdreht ihr die Augen? Wofür möchtet ihr mir den Stinkefinger zeigen? Wo habt ihr gedacht "Alter, so geht das gar nicht!". Wo ward ihr enttäuscht, was fandet ihr zu heftig, falsch oder inakzeptabel? Habt ihr Rassismen oder Sexismen entdeckt?! Ich frage das auch vor dem Hintergrund, dass ich jetzt vermehrt anfangen möchte, fremde Liedtexte zu analysieren und auseinanderzunehmen. Und zwar die von linken Künstler*innen. Und klaro fange ich da auch bei mir an. Mir fallen selbst ein paar Passagen ein, die ich heute so nicht mehr singen möchte, aber ich brauche euer Feedback, um mehr zu sehen. Und ich brauche auch Hinweise von euch auf Songtexte von anderen, die ihr entweder richtig gut findet oder auf welche, über die ihr euch ärgert. Ich entdecke gerade in letzter Zeit wieder häufiger Lyrics von Musiker*innen (Bands, die vermutlich viele "von uns" mögen), die ich fragwürdig bis bescheuert finde. Aber, wie schon erwähnt, es geht auch um gelungene Lieder. Welche, die so gut sind, dass es zu dem jeweiligen Thema eigentlich keinen zweiten Song mehr braucht. Und ich will die Bands und Künstler*innen dazu befragen, was sie denken, warum sie es gemacht haben, wie sie es gemacht haben. Wie scheiße ist es, zu singen, dass du in Gedanken einem gewissen Innenminister schon hundertfach die Kugel durch den Kopf geschossen hast? Ist es akzeptabel, denen den Tod zu wünschen, die sich bereichern an den anderen? Dürfen wir politische Gegner*innen als Dreck bezeichnen? Faschist*innen als Abschaum? Ist das Gendern von Sprache in Songs verkopft oder sollten wir es unbedingt machen? Was ist von mittelalten weißen Männern zu halten, die singen, dass sie alte weiße Männer scheiße finden? Ist die Parole "Ganz Deutschland hasst die Polizei" eine, die ihr ruft? Seid ihr dann Deutschland? Was ist mit "Ganz Deutschland hasst die AFD"? Sollte das von einer Punkband gesungen werden? Und wenn ihr es mitsingt, gehört ihr dann dazu zu diesem "deutschen Kollektiv?" War "Deutschland verrecke!" gestern? Geht beides? Was ist mit sexualisierter Sprache? Sollen wir die AFD echt ficken? Oder die Polizei? Was geht, was geht nicht?! Was ist Provo, was ist Punk? Wo wird's mackrig, deutsch oder männerdominant? Da ich hier auf dieser Website nicht die mega-Reichweite habe, würde ich euch sogar bitten, per copy/paste diese Passage herauszukopieren und sie dort, wo ihr in den sozialen Medien unterwegs seid, zu posten. Gerne mit meiner Mailadresse für Rückmeldungen: newyok@gmx.de

    Ich selbst werde das in den nächsten Tagen auf Instagram posten und mal gucken, ob es ein Interesse gibt. An ALLE ZUSAMMEN GEGEN DEN FASCHISMUS ist nix verkehrt, oder?

    Samstag 16.1.2021

    KEIN VERGEBEN KEIN VERGESSEN!

    Bündnis Aktives Gedenken 2020 from Bündnis Aktives Gedenken on Vimeo.

    Hee da, hässlich willkommen in 2021!!!

    Montag - 11.1.2021

    Ein paar Leute werden es bemerkt haben, dass diese Seite ne Weile offline war. Sorry dafür. Da keine spannende Geschichte dahintersteckt, gibt es eigentlich auch nix zu erklären. Dafür ist das Schriftbild jetzt was besser. Danke Anke! Alles bleibt aber schön oldstyle hier. Es ist einiges passiert. Mein neues Album ist draußen. Und: Ich habe einen Bechersong kreiert! Beide Links findet ihr unter diesem Text. Außerdem, aber das erwähnte ich schon an anderer Stelle, bin ich jetzt auf Instagram unterwegs. Habe da durchaus auch meinen Spaß, ohne die Welt da draußen aus den Augen zu verlieren. Und ich habe sogar schon Kolleg*innen kennengelernt,...oder Seelenverwandte...wie auch immer.

    Bin gesund geblieben bisher. Hatte wohl Glück, führe aber auch ein zurückgezogenes Leben ohne viel physische Kontakte. Halte mich an die Regeln. Sehe wenig Alternativen dazu. Hoffe, dass es aufhört. Alle hoffen das. Plötzlich hat das Leben, das wir vorher hatten, einen größeren Stellenwert bekommen. Die alten Selbstverständlichkeiten wandeln sich in unseren Köpfen zu erstrebenswerten Geschehnissen. Sich eine Flasche Bier vom Späti holen, eine/n Freund*in treffen, umarmen und dann am Ufer abhängen, hinterher irgendwo rein und Live-Musik hören. Unbeschwert. Leben halt.

    Leider sind die Beknackten auch überall deutlich zu sehen. Von Trump wird in ein paar Tagen hoffentlich niemand mehr reden, aber die über 70 Millionen Leute, die ihn kuul finden, die bleiben. Die sind rechtsextrem, homophob, gewalttätig, männerdominiert, rassistisch, patriotisch, sprich: durch und durch daneben und scheiße. Das macht mir keinen Mut. Aber richtig Sorgen würde ich mir erst machen, wenn es auch in Deutschland 70 Millionen wären. Weil, dann wären es weltweit so knapp 7 Milliarden Idioten. Das is'n kleines bisschen zuviel. Ich finde keinen guten Satz, um diesen Text zu schließen, also ende ich mit einem Zitat aus einem meiner neuen Songs: "Manche suchen im Schrank die Tassen!".