POCKETPUNK

April 2021

Erster Mais!

Die Geschichte ist schnell erzählt. Erster Mai. Organisiert die internationale Kurzarbeiterfront! „Nicht gegendert das Schild“ denke ich, bevor ich mir Gedanken über den Inhalt mache. Bin ja auch Kurzarbeit seit über einem Jahr, aber jetzt ne Front organisieren?! Ich weiß ja nich‘. Schlendere weiter. Uniformmenschen lassen mich passieren, die Punx hinter mir werden haarklein durchsucht. Punx gefährlich, alter Mann egal. Kenne kaum wen. Transparent: DEUTSCHE WOHNEN ENTEIGNEN! „Hab schon unterschrieben!“ sage ich den Leuten mit den Listen und zeige ihnen meinen Daumen als zustimmende Geste. Gesprächsfetzen: „…hat sich gestern selbst verletzt mit einer Scherbe des zertrümmerten Waschbeckens…“ Stelle mir das vor. Erst zerkloppste das Scheiß-Porzellan im Badezimmer, weilste denkst, dass du das eh nicht mehr brauchst, wennste tot bist und dann kommen deine Freund*innen und retten dich. Kranke Welt. Jemand spricht mich an: „Yok?!“ Ich nicke. „Kuul man!“ sagt die Person und geht weiter. Öh…Treffe Tönki. „Wie geht’s?“ „Gut!“ „Und selbst“ „Mittelmäßig!“ Ich erinnere mich nicht mehr, wer genau was gesagt dabei. Ein Böller explodiert direkt zwischen uns. Piepen im Ohr. Gespräch beendet. Jemand sagt so etwas ähnliches wie „Scheiß-Zivibullen!“ Tönki sagt „Krass Alter!“ und kichert wie’n Pferd. Die Demo geht los. Ich bleibe stehen. „Haut doch alle ab!“ denke ich und und die gehen wirklich! Ich bleibe traurig zurück. Ein Obdachloser mit grüner Pudelmütze und ohne Zähne schaut mich fröhlich an. „Jetzt geh’n’se randalieren!“ Ich antworte: „Kann sein, ich hab‘ keine Lust heute!“ Er hat auch keine Lust. Ich geh‘ nach Hause. Der fröhliche Pudelmützenmann geht schon seit Jahren nicht mehr nach Hause. Er hat keins. DEUTSCHE WOHNEN ENTEIGNEN und dann hat er immer noch kein Zuhause. Wetten!? Geh ich vielleicht doch noch an die Kurzarbeiterfront später. Scheint alternativlos.

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