POCKETPUNK

Seit November 2012 ist mein Buch "PUNKROCKTARIF - Mit dem Taxi durch die extreme Mitte" erhältlich. 51 Taxigeschichten für 10 Euro. Bestellt es direkt bei mir (newyok@gmx.de)

Seit Mai 2014 gibt es die überarbeitete Nachauflage.

Hier nun eine Geschichte 06/19:

Manni Burgsmüller

Wer hier regelmäßig liest, wird diese Geschichte vielleicht schon kennen, denn ich veröffentlichte sie an gleicher Stelle vor etwa 6 Jahren. Der Anlass ist diesmal der Tod von Manni Burgsmüller am 18.Mai 2019.

Es ist ein typischer Samstagnachmittag, den ich wieder einmal in der Taxe verbringe. Nachdem ich schon ein paar Leute zum Flughafen gefahren habe, bekomme ich einen Auftrag für ein Lokal im Prenzlauer Berg. Ich fahre aus dem nördlichen Friedrichshain dahin und habe Bedenken, dass die Fahrgäste schon eine andere Taxe genommen haben könnten, weil ich immerhin 6 Minuten dorthin brauche, was in Berlin eine lange Taxianfahrtzeit ist. Ich steuere die bestellte Hausnummer an und sehe aber glücklicherweise schon einen einzelnen Mann im Anzug winken. „Gut gekleidet der Herr, vermutlich nicht betrunken…“ geht es mir durch den Kopf. Er kommt offenbar auch aus einem Restaurant und nicht aus einer Kneipe. Er vergewissert sich, dass ich die bestellte Taxe bin und steigt ein. Freundlicher Typ mit Glatze. Im Radio läuft die Bundesligaberichterstattung live auf info-Radio. Ich hör das gerne beim Fahren, habe dann stets meinen Tippzettel dabei vom Radio1-Tippspiel und freue mich, wenn die Kleinen gegen die Großen gewinnen. Das Gespräch mit meinem Fahrgast dreht sich auch bald um die Kommerzkickerei. Er kennt sich aus, ich auch ein bisschen. Wir reden über Claudio Pizarro, den peruanischen Stürmer, den die Bayern wieder zurückgekauft haben. Ich wundere mich darüber, weil der Gute für einen Profifußballer schon recht alt ist (34). Mein Fahrgast antwortet mir irgendwas, ich kann mich nicht mehr erinnern, was er gesagt hat. Dann sage ich: “Ich möchte, dass Manni Burgsmüller wieder spielt!“ Manni Burgsmüller, war ein sehr erfolgreicher und technisch äußerst versierter Profi, der wohl seine beste Zeit in den 70er- und 80er Jahren hatte. Ich mochte ihn als Spielertyp immer sehr, weil er ein Individualist war, der Spielsituationen extrem gut antizipieren konnte. Ein „Schlitzohr“, wie vielleicht einige das auch nennen würden. Nicht zuletzt deshalb hat er mit über 40 Jahren auch noch bei Werder Bremen gespielt. Otto Rehhagel, der damalige Trainer holte ihn 1988 nach Bremen als Burgsmüller schon 36 war. Nachdem ich jedenfalls den Namen „Manni Burgsmüller“ ausgesprochen hatte, sehe ich im Gesicht meines Fahrgastes im Rückspiegel ein breites Grinsen: „Manni, das is’n Kumpel von mir, den kenn‘ ich ganz gut…“ sagt er und freut sich sichtlich. Das wiederum freut mich. Ich meine,…was für ein Zufall…es gibt wahrlich zigtausende Spieler, die in den vergangenen Jahrzehnten durch diese Liga gerannt sind und ich pick mir ausgerechnet den raus, den mein Fahrgast kennt?! Aber es kommt noch besser. Als wir am Ziel, am Hotel meines Fahrgastes ankommen, sage ich beim Bezahlvorgang, dass er doch den Manni mal unbekannterweise von mir grüßen soll, wenn er ihn wieder sieht. Da sagt der: „Nee, warte mal, wir rufen den an!“ und zeigt mir stolz die Adressleiste auf seinem Handy mit dem Manni Burgsmüller-Eintrag. Dann wählt er die Nummer und…Manni ist tatsächlich dran…“Hey Manni, ich sitze hier gerade in Berlin im Taxi und der Taxifahrer ist ein riesen Fan von dir, ich geb ihn dir mal!“ Zack, hatte ich das Handy am Ohr und hör Manni Burgsmüller sagen: „Mensch, das is‘ ja’n Ding“ oder so ähnlich…Hach, was sagst du dann in so einer Situation?! Mir war das ja auch irgendwie fast ein bisschen unangenehm. Manni jedenfalls fand, dass ich eine junge Stimme habe und erkundigte sich nach meinem Alter. Daraufhin bescheinigte ich ihm, dass er auch mindestens wie 45 klingen würde (er wird dieses Jahr 62). Es ging noch 2x fröhlich hin und her mit „dann noch alles Gute“ und „dann noch’n schönen Tag“ oder so ähnlich und das war’s. Als mein Fahrgast wieder aufgelegt hatte, sagte er noch sowas wie: „Ja der Manni, der ist immer noch der Alte, mit dem kannst du ganz normal (!) reden, der ist immer auf dem Teppich geblieben. Und ganz ehrlich: Den Eindruck hatte ich auch und es war mir ein Vergnügen.

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