POCKETPUNK

Seit November 2012 ist mein Buch "PUNKROCKTARIF - Mit dem Taxi durch die extreme Mitte" erhältlich. 51 Taxigeschichten für 10 Euro. Bestellt es direkt bei mir (newyok@gmx.de) oder beim Verlag. Gegen_Kultur

Seit Mai 2014 gibt es die überarbeitete Nachauflage.

Hier nun meine Geschichte 7/18:

FANTASIE BRAUCHT WIDERSTAND

Im Juni 2018 hatte ich mehr Auftritte als Taxischichten. Das lag vor allem an unserer KLEINKUNSTPUNX NOT DEAD – Tour. Diese zog sich zwar nur über vier Tage, hatte es aber dennoch in sich. Deshalb schreibe ich einen kleinen Tourbericht anstelle einer Taxigeschichte.

Donnerstag 21.6.2018 – Mittags. Es geht los nach Dresden. Mit sieben von den alten Revolties, einem Kontrabass und einer Progitarre geht es im Polo meiner Mutter auf die Autobahn. An beiden Seitenfenstern flattert die YPG-Fahne. Das verwirrt einige Autofahrer_innen. Sie fragen sich, welches Fußball - Team mit dieser Flagge bei der WM antritt. In unserem Auto läuft brettlaut

  • TEENAGE ANARCHIST von PAT THE BUNNY
  • (jaja,...die kuule Version...nicht die von AGAINST ME...großer Unterschied!!). Auf der ersten Raste wollen uns die Bullen kontrollieren. Wir flüchten über einen Feldweg. Die eilig ausgeworfenen Krähenfüße tun ihre Wirkung. Gegen 22 Uhr kommen wir in Dresden an. Draußen etwa 1000 Leute und drinnen voll. Das

  • KUKULIDA
  • bietet nur Platz für 150 Leute. Im AZ CONNI ist auch nicht viel mehr Platz, aber da haben wir gar nicht erst angefragt, weil ich dort ausgesprochenermaßen nicht mehr erwünscht bin wegen der Palastina-Strophe von vor fast 30 Jahren. Kannste hier schön nachlesen:

  • ÖÖ
  • Das Konzert im KUKULIDA läuft super. Ein fettes Fest, extrem freundliche und zugewandte Leute und eine Menge freiwillige Spenden für die Solikasse, die später an

  • Lifeline
  • ausgeschüttet wird. Unsere Crew besteht zu diesem Zeitpunkt aus 11 Leuten, die neun verschiedene Acts bestreiten: Die Guten, Früchte des Zorns, Gegenloch, Konny, Milch und Blut, Revolte Springen, Safety first, Song X und icke. Das Programm ist 150 Minuten lang. Nachts schlafen wir im Park. Es regnet in Strömen. Aber wir haben zwei Regenschirme mit bunten Mustern drauf.

    Am nächsten Morgen laufen wir zunächst einen selbstorganisierten Halbmarathon nach Heidenau, pöbeln dort auf einer Hauptverkehrskreuzung eine halbe Stunde lang rum und lassen uns schließlich abholen von einem Nightliner, um nach Berlin zu fahren. Der Fahrer ist total besoffen, aber er ist sonst ein guter Mensch. Früher mal Wagenheber, heute selbst Busfahrer. Wir fahren aus Sicherheitsgründen nur Schritttempo. Gegen 23:50 trudeln wir in Berlin im Supamolly ein. Die haben wieder lecker gekocht. Erstmal mampfen! Publikum ist schon etwas ungeduldig, aber wird belohnt. Pit und Merle bestreiten die ersten zwei Stunden mit ihren Soloprogrammen unterstützt von Baukrangeräuschen, dann hängt der Rest der Crew noch jeweils einen halben Song dran. Um fünf Uhr früh gibts Frühstück für alle: Kabelsalat mit DI-Box.

    Am nächsten Tag nochmal Supamolly. Wieder voll, aber diesmal nur Männer mit Anzügen im Publikum. Wir beschließen, nicht aufzutreten WEGENWEIL wir gegen das Patriachat sind. Die Publikumsmänner werden beim Rausgehen durchsucht und ihnen werden alle Wertgegenstände abgenommen. Geschätzte Gesamtsumme: 14000 Euro. Davon kaufen wir mir ein neues Akkordeon und für alle anderen ein paar neue Sandalen.

    Nach nur 12 Minuten Schlaf segeln wir nach Bremen. Erst Spree, und dann immer so weiter bis zur Weser. Das alte Sportamt liegt direkt am Deich und ist leider total überflutet. Wir laden unseren Kram gar nicht erst ab, sondern spielen direkt von unserem Kahn runter. Hin und Weg, Hörzu und die Zerreißprobe kommen auf Schlauchbooten dazu und ergänzen das Programm mit frischen Blumen. Das Publikum sitzt vorwiegend auf selbstgebauten Kanisterfloßmaschinenpolstern und hat Mühe, die Position zu halten. Die Strömung ist enorm. Unser Kahn hat einen Anker. Hatten wir vorher selbst im Ankerzentrum gekauft. Organisation ist alles. Als die Wasserschutzpolizei vorbeikommt und rumpöbelt, versenken wir ihr Schiff mit einem Ukulelentorpedo. Die beiden Beamten ziehen wir lebend aus dem Wasser, fesseln sie an den Fockmast und erklären ihnen eindringlich, dass Seenotrettung wichtig wäre und wir deshalb dieses Konzert zuende spielen müssen. Sie nicken beide und sehen das auch ein. Nach dem Konzert packen alle eilig ihre Sachen und gehen wieder zurück in ihre Alltage. Die meisten von uns sind Ticketkontrolleure im Streichelzoo. Wenn eine Ziege oder eine Schildkröte aber mal nicht bezahlt hat, drücken wir auch ein Auge zu. Wir wissen, wie das ist, ein Reptil zu sein. Wir hatten eine gute Zeit!

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