POCKETPUNK

Seit November 2012 ist mein Buch "PUNKROCKTARIF - Mit dem Taxi durch die extreme Mitte" erhältlich. 51 Taxigeschichten für 10 Euro. Bestellt es direkt bei mir (newyok@gmx.de) oder beim Verlag. Gegen_Kultur

Seit Mai 2014 gibt es die überarbeitete Nachauflage.

Hier nun eine Geschichte 9/18:

PINK TAXI

Hee da Leude! Bin müde. Und leer im Kopp. Deshalb habe ich diesmal nur was reinkopiert, was Aro Kuhrt auf der Seite https://www.berlinstreet.de/15275 veröffentlicht hat. Ich fands sehr interessant. Lest selbst:

Vor über 20 Jahren gab es in Berlin eine Taxi-Funkgesellschaft, die umgangssprachlich “Krawattenfunk” genannt wurde, weil die Fahrer dort Anzug und Krawatte tragen mussten. Das Ergebnis war, dass die Firma Anfang der 1990er Jahre mit nur noch 200 angeschlossenen Taxis billig verkauft wurde. Auch in Hamburg soll es eine ähnliche, aber erfolgreichere Taxi-Vermittlung geben, deren Zielgruppe Leute sind, die sich zu fein sind, um mit normalen Taxis zu fahren. Normalerweise können sich die Fahrgäste in Berlin die Taxis nicht aussuchen, wenn sie über eine der Funkgesellschaften bestellen. Nur für Frauen und Kinder werden auf Wunsch extra Fahrerinnen vermittelt, ansonsten müssen die Fahrgäste nehmen, was kommt.

Davon hatten viele Frauen in der Hauptstadt von Ägypten die Nase voll. Immer wieder gab es in Kairo sexuelle Anzüglichkeiten und Übergriffe von männlichen Taxifahrern. Dies hat Reem Fawzy auf eine Idee gebracht, die nun seit dem Sommer 2015 praktiziert wird: Sie bietet sogenannte “Pink Taxis” an: Diese werden von Fahrerinnen gesteuert und nur Frauen werden als Fahrgäste akzeptiert. So wird denen ein Schutz vor übergriffigen Fahrern geboten. Aber das war nicht der einzige Grund zur Gründung der Firma. Kairos Taxifahrer gelten als eher ungebildet und grobschlächtig, was sicher auch viele potenzielle Passagiere abschreckt.

Deshalb bekommen die Fahrerinnen von Pink Taxi nicht nur eine mehrmonatige Ausbildung, sondern sie müssen auch einige Kriterien erfüllen. So wird von ihnen verlangt, gut Englisch zu sprechen sowie einen Universitätsabschluss zu haben. Ein weiteres Kriterium ist dagegen eher diskriminierend: Reem Fawzy akzeptiert als Fahrerinnen nur Frauen bis 45 Jahre.

Anfangs bekam sie von den Konkurrenten sehr viel Gegenwind, diese machten sich über sie lustig: “Könnt ihr überhaupt Reifen wechseln?” wurden die Frauen gefragt. Doch im Laufe der vergangenen zwei Jahre wurden sie immer weiter akzeptiert. Unter anderem werden ihre Dienste gern von Touristinnen angenommen, die vorher oft von männlichen Fahrern belästigt wurden. Die pinken Taxis stehen deshalb jetzt besonders oft am Flughafen von Kairo.

Doch unter Frauenrechtlerinnen sind diese Taxis nicht unumstritten. Sie kritisieren, dass damit nur die Symtome bekämpft werden, der Sexismus aber weiter besteht. Mittlerweile gibt es jedoch auch männliche Unternehmer, die von ihren Fahrern explizit einen korrekten Umgang mit weiblichen Fahrgästen verlangen. Solche Änderungen brauchen eben manchmal lange.

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