Eine müde Auftragslage, ein eher ruhiger Abend, aber plötzlich wird innerhalb kürzester Zeit 3 mal die Neuenburgerstraße ausgerufen. Das bedeutet, dass dort offensichtlich schon mindestens 2 Kollegen vor Ort waren und die Fahrt nicht zustande kam oder dass der Auftrag schon mindestens 2 mal nach Erscheinen auf dem Display abgelehnt wurde, was darauf hindeuten kann, dass dieses ein „schwieriger“ Auftrag werden wird, den keine/r haben will. Bei einigen Aufträgen wird z.b. auch „mit Laterne“ über Funk dazugesagt, dann wissen wir als Kutscher, dass der Kunde (oder die Kunden) in der Regel hackebreit ist (sind). Bei diesem Auftrag hingegen gab es nur eine solche Befürchtung meinerseits, die sich auch bestätigen sollte. Auf meinem Display erscheint „Schultheiss- Eck“ und ich ahne tatsächlich nix Gutes. Der Typ ist wirklich sturzbreit, als ich im Lokal Bescheid sage und ihn erblicke, die Wirtin beruhigt aber mit: „Das is’n ganz Lieber...“ Ich gehe schon mal vor, er kommt wenig später in Schlangenlinie hinterher, öffnet die hintere Tür, fällt hinein und lallt: „Deutscher?!“ Ich (eigentlich ja schon darauf vorbereitet): „Nee, kein Deutscher, kannst direkt wieder aussteigen...“ Natürlich ist mir in diesem Moment klar, dass bestimmt schon 2 „nichtdeutsche“ Kollegen vorher hier waren und es Probleme mit diesem Spacko gab. Meine Haltung ist grundsätzlich, dass solche Leute dann auch von mir nicht befördert werden. Er scheint aber trotzdem mit mir „einverstanden“ zu sein und schließt die Tür. Ich weiß in dem Moment nicht einmal, ob er meine Antwort wirklich gehört hat in seinem Zustand. Da er nicht weiter rumblubbert, sondern sagt, dass er nur um die Ecke in die nächste Kneipe will, entscheide ich, diese 2 Minuten zu investieren, weil das weniger nervt, als ihn zum Aussteigen zu bewegen. Klar behandele ich ihn schroff und unfreundlich, aber das merkt der Widerling wahrscheinlich noch nicht einmal. Die besseren Karten hast du als Kutscher in jedem Fall, wenn die Leute außerhalb der Taxi schon ihre Sprüche absondern. Da gab es auch mal eine ganz ähnliche Situation, wo zum dritten Mal ein Taxi in die Kurfürstenstraße in Schöneberg geordert wurde und ich den Auftrag bekam. Es war das Ende einer Weihnachtsfeier einer gutsituierten Firma, dessen Namen ich vergessen habe. Der Mann im Anzug, für den die Taxi ist, ist absolut volltrunken und offenbar auch der letzte Gast. Eine Frau stützt ihn ein wenig und ist sichtlich bemüht, diesen Arbeitskollegen endlich los zu werden. Auch dieser Promillekandidat wird mir entsprechend als „ein ganz Lieber“ angeboten. Sein erster Satz, als er mich sieht und realisiert, dass ich der Taxifahrer bin, lautet: “Na endlich! Sehr gut, endlich mal kein Ausländer!“ Ich reagiere darauf sofort, indem ich auf der Stelle kehrt mache und kommentiere das damit, dass ich nicht bereit sei, diesen Rassisten zu fahren. Die Frau bettelt mir förmlich hinterher, dass ich ihn doch bitte mitnehmen soll, die anderen seien doch auch alle schon ohne ihn weggefahren etc…Kein Wunder, denke ich und sage: „Nix is’“!!! Ich steige wieder in meine Taxi und erkläre der Zentrale den Sachverhalt auch genau so. In der Funkzentrale wird das verständnisvoll zur Kenntnis genommen und kein weiterer Versuch unternommen, diesen Kunden zu vermitteln. Ein weiterer Fall, den ich ähnlich schnell abgehandelt habe, ereignete sich auf der Rosentalerstraße, als mich ein „nichtdeutscher“ Kollege aus seiner Taxi ranwinkte. Sein Fahrgast, auch so ein betrunkener Prollo, wollte nicht mit einem Ausländer fahren. Als ich diesen Sachverhalt verstand, rief ich ihm durch das runtergekurbelte Fenster zu, dass er dann wohl auf einen richtig strammen deutschen Fahrer warten müsse. Und Tschüss, Arschloch!
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