POCKETPUNK

Seit November 2012 ist mein Buch "PUNKROCKTARIF - Mit dem Taxi durch die extreme Mitte" erhältlich. 51 Taxigeschichten für 10 Euro. Bestellt es direkt bei mir (newyok@gmx.de) oder beim Verlag. Gegen_Kultur

Hier nun die aktuelle Geschichte 5/13:

STILL NOT LOVING THE POLICE (und trotzdem…)

Ich befahre die Warschauerstraße Richtung Kreuzberg. Es ist ca. Mitternacht. Auf der linken Gehwegseite fallen mir ein paar Leute auf. Drei weiße Männer, die rennen, ein schwarzer Mann, der sich die Hand vor seinen Mund hält und den anderen hinterherläuft. Ich fahre langsamer. Zwei der weißen Männer sind schnell und verschwinden hinterm U-Bahn-Eingang, der dritte ist etwas langsamer und wird fast von dem dunkelhäutigen Mann eingeholt. Dieser sammelt eine Flasche auf und will den weißen Mann angreifen. Der merkt das aber gerade noch und kann flüchten. Ich steige aus, will mich bemerkbar machen, rufe laut „hallo!“. Der schwarze Mann kommt zu mir rüber, ich sehe, dass er am Mund blutet. Er möchte, dass ich die Bullen rufe, er sei angegriffen worden. Ich zögere nicht, die Funkzentrale auch nicht. Die Bullen werden direkt alarmiert. Der angegriffene Mann ist mittlerweile bei mir eingestiegen. Vorsichtshalber frage ich ihn als erstes, ob mit seinen Papieren alles in Ordnung sei, denn sonst werde es gleich blöd mit den Bullen, weil die mit Sicherheit unsere Personalien aufnehmen werden. Er sagt, dass es da keine Probleme gebe. Nach 2 Minuten steht ein Sixpack (Bullenbulli) neben meiner Taxe. Die Bullen fragen nach den Tätern und dem Fluchtweg. Wir beschreiben ihnen das, so gut es geht. Dann kommt eine Zivikarre angerauscht mit so Rambobullen. Tonfa schon in der Achselhöhle, knochige angespannte Gesichter, muskulöse Typen und extrem unter Strom. Kurzer Check, wieviele Männer und wohin, dann brettern sie weiter. Dem Opfer fehlt vorne ein Zahn. Die drei hätten ihn angesprochen auf der Brücke und dann direkt ohne Vorwarnung zugeschlagen. Für mich ist sonnenklar, dass das ein rassistischer Angriff gewesen sein muss, keine Zweifel. Die Streifenbullen nehmen unsere Personalien auf. Es vergehen etwa 10 Minuten. Die Zivibullen kommen zusammen mit einer Wannenbesatzung und drei Männern zurück. Wir sollen sie identifizieren. Sie haben sie tatsächlich erwischt. Scheiß-Nazis, denke ich. Da erzählen die Bullen, dass sie diese drei Weißrussen unten im Rotherstraßenkiez gestellt hätten. In meinem Kopf gibt es einen merkwürdigen Gedanken, nämlich, ob ich jetzt mit meiner Hilfe dafür gesorgt habe, dass die drei abgeschoben werden. Vielleicht sind das Illegalisierte?! Ich brauche einen kleinen Moment, um klarzukriegen, dass das auf jeden Fall krasse Arschlöcher sein müssen, und es mir egal sein kann, ob die aus Deutschland oder Weißrußland kommen. Natürlich ist mir nie wohl, wenn ich mit Bullen zu tun habe, aber hier war mein Handeln erstmal im Sinne des Opfers, ich wurde sogar von ihm aufgefordert, die Bullen zu rufen und bin auch froh, dass ich das gemacht habe. Nachdem alles vorbei ist, die Bullen die drei Männer zur Wache fahren etc., fahre ich den verletzten Mann nach Hause und gebe ihm meine Telefonnummer. Später muss ich nochmal zur Wache wegen Zeugenaussage. Das war’s. Habt ihr klar, wie ihr in solchen Fällen reagiert?!