POCKETPUNK

Seit November 2012 ist mein Buch "PUNKROCKTARIF - Mit dem Taxi durch die extreme Mitte" erhältlich. 51 Taxigeschichten für 10 Euro. Bestellt es direkt bei mir (newyok@gmx.de) oder beim Verlag. Gegen_Kultur

Seit Mai 2014 gibt es die überarbeitete Nachauflage.

Hier nun meine Geschichte 12/17:

Männer...Polizeimänner! (Zitat aus dem Film BLADERUNNER)

Fahre in Höhe der S-Bahn Alexanderplatz auf der Busspur die Karl - Liebknecht - Straße in Richtung Lustgarten (eigentlich ein schöner Name für diesen langweiligen Platz) entlang und gucke nach Kundschaft. Aber die Blödis, die ich sehe, warten alle nur auf den Bus. Selber Schuld. Habe heute nämlich gute Laune und es wäre eine große Bereicherung für die meisten Beknackten dieser Stadt, mich kennenzulernen. So, dass sie nach der Begegnung mit mir dann nicht mehr beknackt sind. An der nächsten Kreuzung endet die Busspur, aber die Extra-Ampel lässt mich vor den wartenden Pkws auf die normale Fahrbahn fahren. So fahre ich gemütlich rechts an den stehenden Bullen vorbei, die noch ROT haben und dieses Sonderrecht nicht nutzen dürfen, sofern sie keinen Einsatz fahren. 200 Meter später überholen sie mich und zeigen mir die Kelle. Ich bin überrascht, fahre rechts ran und schnalle mich ab. Dann steigt einer der Cops aus und stellt sich neben meine Fahrertür. Ich lasse die Scheibe runter.

„Was gibt’s?!“

„Sie sind nicht angeschnallt!“

„Äh, doch, ich habe vor 5 Sekunden den Gurt gelöst, weil ihr mich rausgewunken habt!“

„Na, meinetwegen, aber sie haben da eben die Busspur befahren!“

„Ja, und?!“

„Und dann sind sie neben uns über die rote Ampel gefahren!“

„Äh, nein, ich bin entsprechend der Bus-Ampel gefahren und die stand auf „ich darf“!“

Mittlerweile war auch der zweite Cop ausgestiegen und mischte sich ein.

„Die Busspur ist für sie aber nicht freigegeben!“

Upps, damit hatte ich nicht gerechnet. Mein Hirn ratterte. Ganz ehrlich: Ich fahre seit 20 Jahren auf den Busspuren und habe mich noch nie damit beschäftigt, ob die extra freigegeben sein müssen, damit ich das darf. Das war jetzt scheiße, denn wenn das stimmte, hatte ich quasi zwei Verstöße begangen: Unerlaubtes Befahren der Busspur und ein Rotlichtvergehen. Mir wurde ganz anders, weil das bedeutet hätte, dass es richtig teuer werden würde und Punkte in Flensburg wären das auch sicher gewesen. Ich schluckte und sprach:

„Öh,...wie jetzt freigegeben?“

Der erste Cop: „Naja, da steht immer extra dabei, ob sie die Spur befahren dürfen oder nicht und diese Busspur ist für Taxen nicht freigegeben!“

Ich saß in der Falle und wartete auf den Standardsatz, dass er jetzt mal meinen Führerschein und die Fahrzeugpapiere bekäme, aber zu meiner Überraschung drehten sie beide ab und brabbelten was von „besser aufpassen nächstes Mal“ und „normalerweise ginge das gar nicht!“ Ich presste mir ein knappes „Danke für die Kulanz!“ über die Lippen. Dann stiegen sie in ihre Karre und fuhren weiter, ich stellte mich an die Taxihalte am Radisson Blue-Hotel und war froh, nicht belangt worden zu sein. Allerdings checkte ich nun während meiner kompletten Schicht, welche Busspuren jetzt schlussendlich für Taxen freigegeben wären und welche nicht. Es dauerte lange, bis ich endlich eine fand, die ich offiziell nicht befahren durfte und die war auch nur temporär eingerichtet worden wegen einer Baustelle. Irgendwann gegen Abend kam ich auch wieder an der Busspur in der Karl – Liebknecht – Str. vorbei und achtete auf die Schilder. Und siehe da, ungefähr alle 50 Meter stand auf einem kleinen Scheiß-Zusatzschild: TAXEN UND KRANKENTRANSPORTE FREI. Ich weiß bis heute nicht, was die Cops geritten hat, mich anzuhalten und dann was Falsches zu behaupten. Vielleicht konnten sie einfach nicht ertragen, dass so ein gewöhnlicher Dienstleister wie ich es bin, mit einem Privileg ausgestattet ist, welches sie nicht nutzen können. Natürlich habe ich eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht und die beiden Beamten wurden vorgeladen und mussten sich bei mir entschuldigen. Die Entschädigung von 1000 Euro habe ich Amnesty International gespendet und die Cops wurden in den Innendienst versetzt. Gut, dass wir in einem Rechtsstaat leben.

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